Vom Messwein zum Feinschmeckertropfen

In den letzten Wochen hat Umbrien eher für traurige Schlagzeilen gesorgt. Mehrere heftige Erdbeben haben den, laut Omnibusrevue, unter Touristen mittlerweile als beliebteste Region Italiens eingestuften Landstrich heimgesucht. Tausenden Menschen sind obdachlos, zahlreiche Kulturgüter wurden stark beschädigt oder unwiederbringlich zerstört. Auch wenn es auf den ersten Blick oberflächlich erscheinen mag, angesichts großen menschlichen Leids, gerade jetzt die touristischen und kulinarischen Schätze Umbriens zu beschreiben, ist dies mit Sicherheit der Richtige Weg. Denn, neben dem Aufbau der zerstörten Ortschaften, bringt nur der schrittweise Weg zurück in die Normalität den Betroffenen die Zukunft zurück und sichert lokalen Erzeugern das Überleben. Montefalco ist einer der Orte in denen die Erde auch bebte. Ausschlag 2,0 auf der Richterskala am 29. Oktober 2016, wie auf der Website des Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia zu lesen steht.

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Zu den erfreulichen Dingen, die es aus Montefalco zu berichten gibt, gehört der traditionelle Weinbau. Mit der Besonderheit, dass Montefalco zu den wenigen italienischen Städten gehörte, in denen der Weinbau auch innerhalb der Stadtmauern betrieben wurde. Der Montefalco Sagrantino DOCG und der Montefalco Sagrantino Passito DOCG gehören einerseits zu den unter Weinkennern geschätzten, besonderen Tropfen. Andererseits gehören die beiden Sagrantino Weine zu den Weinen mit einer langen Geschichte. Die urkundlich belegten Ursprünge des Weinbaus in Montefalco reichen bis ins Jahr 1088 zurück. Der Name Sagrantino, den der ausschließlich aus autochthonen Trauben gekelterte Wein trägt, geht auf den lateinischen Begriff „sacer“ – gleich heilig – zurück. Und taucht im Wort Sakrament wieder auf. In der Wortgeschichte des Weins spiegelt sich sein Werdegang wider. Denn einst soll der Wein von Mönchen als Süßwein für die Messfeier kultiviert worden sein. Später dann von den Bauern an großen Feier- und Festtagen getrunken worden sein. Heute muss nicht auf große Festtage gewartet werden, um den Sagrantino zu genießen. Ein Grillfleisch mit dunkler Sauce reicht als Anlass, um einen Sagrantino DOCG zu entkorken. Ein kräftiger Käse oder ein leckere Süßspeise, um eine Flasche Sagrantino Passito DOCG zu öffnen.

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Der Montefalco Sagrantino DOCG wird ausschließlich aus autochthonen Sagrantino-Reben gekeltert. Er muss mindesten 37 Monate reifen, 12 davon vorgeschriebener Weise im Holzfass. Die Sagrantino-Traube, die reich an Polyphenolen und Tanninen ist, verleiht ihm Struktur und Langlebigkeit. Der Wein mit der rubin- bis granatroten Farbe passt gut zu Grillfleisch mit dunklen Saucen, zu Wild und wird idealerweise auf 17 Grad temperiert.

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Der Süßwein Montefalco Sagrantino Passito DOCG setzt dem Sagrantino noch eines oben drauf. Nach einer monatelangen, strengen Traubenselektion werden die für den Passito ausgewählten Trauben auf einem Holzgitter getrocknet, bevor sie anschließend gepresst und fermentiert werden. Ergebnis dieses aufwändigen Prozesses ist ein wunderbar süß-trockener Wein mit starken Tanninen. Der Sagrantino Passito DOCG passt entweder zu kräftigen Käsesorten, zu Süßspeisen oder kann auch ganz ohne begleitende Speisen genossen werden. Seine empfohlene Trinktemperatur ist mit nur 12 Grad deutlich kühler als die des Sagrantino.

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