Der Streit um die Biotüten – Wer soll sie bezahlen?

Jetzt ist es also so weit. Seit 1. Januar bekommt man in den italienischen Supermärkten nur mehr Tüten aus biologisch abbaubarem Plastik für Gemüse und Obst. Soweit so gut, wer ist schon nicht für Umweltschutz? Nur, das Gesetz hat einen Haken: die Tüten muss der Kunde bezahlen. Wer also demnächst, oder diesen Sommer in Italien den Urlaub verbringt und selber einkaufen geht, soll sich nicht wundern, wenn er auf dem Kassenzettel auch die Tüten verrechnet sieht.

Pro Stück werden 1 bis 3 cent verrechnet. Eigentlich nicht wirklich der Rede wert. Trotzdem steht das Thema seit Jahresanfang aber immer wieder im Fokus. Die Verbraucherverbände kritisieren die Maßnahme aus zwei Gründen. Erstens, da man für jedes Produkt, sprich für Zucchini, Karotten, Kartoffeln, Äpfel, Orangen und so weiter, je eine Tüte verwenden muss, käme man schnell auf 10 und mehr Cent nur für diese; und zweitens, dass man, wegen den bestehenden Gesundheitsvorschriften die Tüten nicht mehrmals verwenden darf.

Die Biotüten sind nicht die einzigen zusätzlichen Ausgaben, die in diesem neuen Jahr auf die Italiener zukommen. Trotz sinkender Rohstoffpreise werden zum Beispiel Gas- und Strom teurer, das nimmt die Mehrheit jedoch stillschweigend hin. Natürlich hat auch die Regierung bei der Umsetzung der Biotüten-maßnahme Fehler gemacht. Diese hat sich, wenn überhaupt, nur wenig Mühe gegeben diese zu erläutern und die Bürger dafür zu gewinnen. Trotzdem ist die landesweite Aufregung nicht ganz nachvollziehbar. Immerhin folgt die Regierung somit einer EU Richtlinie (die Kritiker fragen jedoch, warum sie bisher nur in Italien so strickt angewendet wird). Zweitens ist es gerade für Italien wichtig, den Plastikmüll, wenn schon nicht gänzlich dann zumindest so sehr wie möglich zu reduzieren. Angefangen bei den Plastiktüten und Plastikflaschen, die tonnenweise das Mittelmeer verseuchen und den Fischbestand bedrohen.

Auf die berechtigte Frage, warum die Supermärkte nicht die Kosten der Biotüten übernehmen würden, antwortete das Umweltministerium: „Weil diese sie, und zwar auf intransparenter Weise, dann doch an den Kunden weiterleiten würden.“

Doch im Land, in dem man ständig und überall Intrigen wittert, vermutet so mancher, dass es bei der Verordnung nicht nur um die Umwelt geht, sondern, dass auch Vetternwirtschaft im Spiel ist. Italiens größter Hersteller kompostierbarer Tüten ist die Firma Novamont aus Umbrien. Geführt wird sie von Catia Bastoli, eine enge Bekannte des Vorsitzenden der Sozialdemokraten und ehemaligen Premiers Matteo Renzi. Dieser antwortete jedoch umgehend: „Es gibt mehr als 150 Firmen, die hierzulande diese Tüten herstellen“.

Natürlich gibt es auch jene, die die ganze Sache pragmatisch angehen und eher einen Gewinn in den neuen Tüten sehen. Die Beutel für den kompostierbaren Müll Zuhause kosten um die 15 Cent pro Stück, also fast das zehnfache mehr als die jetzt zu bezahlenden Biotüten für Obst und Gemüse.

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