Das Po Delta – Wo Fluss und Meer ineinander fließen

Diesmal geht es weniger ums Kulinarische, sondern viel mehr um ein soeben erschienenes Buch, das sich lohnt zu besprechen. Besonders interessant könnte es für diejenigen sein, die auf der Suche nach einem Fleckchen Italien sind, das vom Massentourismus bis jetzt verschont wurde. Die Rede ist vom Po Delta, der Mündung des mit seinen 652 Kilometern längsten Fluss Italiens. Dieser fließt am Ende seiner Reise in die Adria. Dieses einmalige Biotop, beziehungsweise dieser Naturpark, steht mittlerweile auch auf den Listen der Weltkulturerben und Biotopen der Unesco. Hier, wo Fluss und Meer zueinander finden, trifft man auf eine einzigartige Landschaft bestehend aus Sumpfgebieten, Lagunen, Sandbänken, Schotterinseln, in der sich unzählige Vogelarten eingenistet haben.  Doch trotz seiner Besonderheit kennen auch viele Italiener diese Gegend nicht, wie man auch aus dem Titel – „Die Seele des Flusses – Auf dem Po durch ein unbekanntes Italien“ – entnehmen kann. Geschrieben hat es der Triester Journalist und Reisebuchautor Paolo Rumiz.

Von einigen Jahren hat Rumiz den Po mit ein paar Freunden per Kanu, Barke und Segelboot befahren. Gestartet ist man im Piemont, wo die Quelle des Flusses ist, und hat ihn bis hinunter zur Adria bereist. Ein Erlebnis, wie der Autor selber berichtet, das ihm, inmitten der typisch italienischen Hektik, immer wieder berührende Augenblicke der Stille beschert hat. Besonders reich an Eindrücken war der letzte Teil durchs Delta. Denn hier verzweigt sich der Fluss, teilt sich in fünf Arme auf (Po di Goro, Po di Maistra, Po delle Donzelle, Po di Levanteund Po della Pila), die sich wiederum in einLabyrinth von Wasserläufen verzweigen.

Wer gerne auch mit dem Rad unterwegs ist, der könnte sogar von Piacenza losfahren. Bis zum Delta sind es 300 Kilometer. Oder man setzt hinter der Stadt Rovigo (circa eine Stunde südlich von Venedig gelegen), also ab Taglio di Po oder Adria, auf den Drahtesel.

Ab und an sollte man das Rad aber abstellen und eine kleine Bootstour durch dieses Labyrinth unternehmen. In den charakteristischen Fischerorten Goro oder Gorino, deren Häfen in der Bucht „Sacca di Goro“ liegen, gibt es vom Frühling bis in den Herbst hinein zahlreiche Boote die Ausflüge und Birdwatching-Touren anbieten.

Doch zurück zu Rumiz Buch, kein Reiseführer, dafür ein umso spannender Reisebegleiter. Der Autor erzählt auf packende Weise was er vom Wasser aus sieht, führt den Leser in eine Welt der Geister, Hexen und Legenden, schreibt vom Aussterben bedrohten Feuerfalter, von den Fischen die immer wieder hoch über den Bug springen, von sprechende Stören und Nixen, die die Fischer vor dem Ertrinken retten, von Schwalben im Sturzflug und von Sandinseln wo die vielen Vogelarten ihr zu Hause haben.

Und natürlich auch von so manch kulinarischer Köstlichkeit. Wie die Venusmuscheln und Austern, die hier gezüchtet werden, und die Aale. Die „Anguilla“ gehört zu den Lokalspezialität und wird auf unterschiedliche Weisen serviert: gebraten, gegrillt, mariniert.

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es viele. Und wer sein Rad nicht mit hat, der kann es sich zum Beispiel am Bauernhof „La Presa“ bei Taglio di Po gratis ausleihen. In diesem „Agriturismo“ kann man nicht nur übernachten, sondern auch ausgezeichnet essen. Frau Lucia Cestari, die alleine den Hof führt, ist eine hervorragende Köchin. Fast alles was sie auftischt von den Marmeladen bis hin zum Fleisch, stammt aus ihrem Gehöft.

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