Weinkenner auf Staatskosten

Der Weg zurück in die Freiheit beginnt bereits im Knast. Das an sich ist nichts Neues. In Deutschland nicht und auch nicht in Italien. Hier wie dort gibt es Weiterbildungsprogramme für Häftlinge. Die Bezirksstrafanstalt in Lecce allerdings geht seit dem 12. Oktober dieses Jahres ganz neue Wege. Statt Straßenarbeiter, Koch oder Pizzabäcker zu lernen, hat wer im in der apulischen Region Salento gelegenen Knast einsitzt, die Möglichkeit sich auf Staatskosten zum Sommelier ausbilden zu lassen. Wie die italienische Zeitung La Repubblica jüngst berichtete.

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Neben den normalen Weiterbildungsprogrammen der Bezirkshaftanstalt Borgo San Nicola in Lecce können sich die dort einsitzenden Frauen und Männer seit Mitte Oktober auch rund um das Thema Wein fit machen lassen. Sommeliers auf Staatskosten sozusagen. Ein Weiterbildungsversuch, der allerdings weniger darauf abziele, so schreibt La Repubblica, den Gefangenen mittels der erlernten Fähigkeiten den Einstieg in das Arbeitsleben, wenn sie erst einmal wieder zurück in Freiheit sein werden, zu erleichtern. Das bleibe weiterhin den traditionellen Weiterbildungsprogrammen überlassen. Der Sommelierkurs hinter Gittern, diene vielmehr der persönlichen Horizonterweiterung der Gefangenen.

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Als Lehrer werden einige Polizist der Polizeidirektion, gemeinsam mit ausgebildeten Sommeliers des Weinguts Feudi di Guagnano in Erscheinung treten. „Die Idee, es auch den Insassen unseres Gefängnisses zu ermöglichen, die Verkostung der grandiosen Weine unserer Gegend zu erlernen und die Geschichte dieser Weine vermittelt zu bekommen, schwirrt schon seit Langem in unseren Köpfen herum“, betont der Geschäftsführer von Feudi di Guagnano, Gianvito Rizzo. Und führt weiter aus, wie La Repubblica den Gefängnisverwalter zitiert, leider sei die Realisierung dieser Idee immer wieder auf die lange Bank geschoben worden. Teils aus Schamhaftigkeit, teils aus Unwissenheit darüber, wie sie am besten umzusetzen sei. Dann habe die Leiterin des Gefängnisses von Lecce die Gefängnistore für das Projekt geöffnet, das wahrscheinlich das erste seiner Art in Italien sei: Ein Sommelierkurs für weibliche und männliche Gefängnisinsassen.

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Der Sommelierkurs hinter Gittern sei, so zeigt sich Gianvito Rizzo überzeugt, sicherlich nicht nur für die Gefängnisinsassen eine neue und einzigartige Erfahrung. Auf die als Lehrende am Projekt Beteiligten, könnten aus diesem Sommelierkurs der besonderen Art neue Erfahrungen gewinnen. Dass in Italien der Wein und die Weinkunde gerne auch außerhalb des traditionellen Rahmens eingesetzt wird, zeigte auch ein Gesetzesentwurf den Dario Stefàno, Senatsmitglied aus Apulien, dieses Jahr im italienischen Parlament in Rom einbrachte. Ein Gesetzesentwurf, in dem es darum ging, Wein und Weinkunde als offizielles Schulfach einzuführen. Ob es Zufall ist, dass beide ungewöhnlichen Ideen zum Thema Wein aus der Region Apulien stammen, soll der Fantasie der Leser überlassen bleiben.

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