Keine Ruhe für Castelluccio – auf das Erdbeben folgt die Wasserknappheit

Als wären sie durch das Erdbeben im vergangenen Oktober nicht genug gestraft. Die Bauern von Castelluccio kommen nicht zur Ruhe. Die anhaltende Trockenheit in diesen ungewöhnlich heißen italienischen Sommertagen und die dadurch ausgelöste Wasserknappheit macht vor allem den Viehzüchtern der Hochebene von Castelluccio zu schaffen. „Die Trockenheit hat mehr Schäden angerichtet als das Erdbeben“ zitiert die italienische Tageszeitung La Nazione Anfang August bitter-ironische Stimmen aus Castelluccio.

Der Wassernotstand in großen Teilen des Gebiets um Norcia, vor allem im Bereich von Castelluccio und den dazugehörigen Feldern, ist amtlich. Besonders betroffen sind vor allem die Viehzüchter auf der Hochebene von Castelluccio. Afrikanisch-heiße Temperaturen, kein Regen und Vieh, das getränkt werden muss. Weil sich die Viehzüchter nicht mehr anders zu helfen wissen, haben sie bei der örtlichen Feuerwehr um Unterstützung angefragt und sich Wasser für ihre Tiere bringen lassen. „Die Feuerwehr versorgt mich bereits seit über einer Woche mit Wasser, dass meine Tiere noch am Leben sind, verdanke ich vor allem ihnen“, wird der Viehzüchter Stefano Pasqua Anfang August in vielen italienischen Zeitungen zitiert. Einen Monat zuvor hätten er und seine Kollegen noch versucht sich selbst zu helfen und eine sechs Kilometer lange Wasserleitung verlegt, um das dringend benötigte Nass von der Quelle delle Fate, die sich auf rund 2000m Höhe befindet, auf die Hochebene von Castelluccio zu bringen. Wegen der langanhaltenden großen Hitze liefere aber auch diese Quelle nicht mehr genügend Wasser, wird Stefano Pasqua weiter zitiert.

Auch der Bürgermeister von Norcia, Nicola Alemanno äußerte sich besorgt, über die Wasserknappheit. Diese verschlimmere die Lebensumstände der Bevölkerung, die bereits mit den schwerwiegenden Folgen des Erdbebens zu kämpfen hätte, noch zusätzlich und hätte sich Anfang August auch in Teilen der Stadt Norcia bemerkbar gemacht. „Vor allem in Montedoro und Madonna delle Grazie haben wir wegen des geringen Wasserdrucks Probleme“, so Alemanno, der gemeinsam mit den örtlichen Wasserwerken nach Lösungen sucht. Auch wenn er sich bewusst sei, dass das Hauptproblem in den durch das Erbeben ausgelösten Veränderungen des Grundwasserspiegels läge. Die Viehzüchter von Castelluccio haben bereits einen Lösungsvorschlag für die Wasserprobleme parat, der jedoch aus Naturschutzgründen nicht umgesetzt werden dürfe, erzählt der Viehzüchter Stefano Pasqua von der Idee, auf der Hochebene Brunnen zu bohren. „Wir wissen, dass es in diesem Gebiet Wasser gibt, uns wurde aber gesagt, dass wir aus Umweltschutzgründen dort keine Löcher bohren dürfen“, so Stefano Pasqua.

Norcia und die im Naturpark der Monti Sibillini gelegene Hochebene von Castelluccio sind, wenn sie nicht gerade wegen des Erdbebens und der dadurch bedingten Folgeschäden in den Schlagzeilen sind, vor allem für die Norcineria genannten Schweinefleischprodukte – hauptsächlich Salami und Schinken – und die Linsen von Castelluccio bekannt. Und in Norcia wurde 480 der Heilige Benedikt geboren, Gründer des Benediktinerordens, der seine Jugend in Norcia verbrachte. Rund sieben Kilometer von Norcia entfernt, liegt das Benediktinerkloster San Benedetto in Monte, wo die Nachfolger des Heiligen Benedikt als Mönche leben. Auch sie sind von der aktuellen Wasserknappheit betroffen und müssen jeden Tag 1000 Litern Wasser gebracht bekommen, um den täglichen Wasserbedarf des Klosters decken zu können.

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