Volksfeste (Sagre) in Umbrien. Ein typisches Sommerbild.

Der Sommer charakterisiert sich vor allem in Toskana und Umbrien durch die zahlreichen Volksfeste, die überall angeboten werden: die „Sagre„. Die Sagra (Plural: Sagre) ist ursprünglich das italienische Wort für ein Kirchweihfest (sacro = heilig).

Heute bezeichnet Sagra jedoch auch allgemein ein Volksfest, das einem regionalen landwirtschaftlichen Produkt oder einer gastronomischen Spezialität gewidmet ist (z. B. regionalen Pastagerichten, Olivenöl, Wein; typischerweise heißen diese Feste dann Sagra dell’uva – Fest der Weintrauben,  Sagra del cinghiale – Fest des Wildschweins etc.). Veranstalter sind häufig Kirchengemeinden oder Vereine, die durch die Sagre Geld für ihre Arbeit erwirtschaften.

Gestern Abend war ich auf einem der bekanntesten Sagre in Umbrien: „Sagra della Torta al Testo“ in Sant’Egidio bei Perugia. Da muss man schon früh da sein, so gegen 19 Uhr, um die lange Schlange zu vermeiden. Die hier angebotene umbrische Spezialität, „Torta al Testo“, wird landesweit als die absolut beste bezeichnet!

Die "sagra" di Sant'Egidio bei Perugia

Bevor ich Ihnen mehr über diese Spezialität erzähle, ein Paar Worte über die Organisation eines solchen Festes. Wie oben schon erwähnt, wird dieses Fest vom lokalen Verein organisiert, die durch das Fest Geld für seine Aktivitäten sammelt. Alle arbeiten hier als Freiwillige und natürlich ganz umsonst. Und da macht die ganze Gemeinde mit. Die Kinder decken die Tische, einige älteren Mitbürger räumen sie dann nach dem Essen auf und andere stehen in der Küche und helfen mit, oder sind sogar für bestimmte Hauptaufgaben zuständig (zum Beispiel für das Grillen der „Salsiccia“ – Wurst). Die Frauen spielen meistens in der Küche die Hauptrolle. Sie sind die Kochexperten.

Frauen und Männer in der Küche der Sagra

Die Preise sind erschwinglich, sodass ganze Familien (die Damen oft in Abendkleid!) zu diesen Sagre kommen und nicht selten jeden Abend auf eine andere gehen.

Die Preise sind erschwinglich

Nun zur Torta al Testo: es handelt sich um ein Zentimeter hohes Brot (sieht wie ein Fladenbrot aus)  aus Mehl, Salz, Extravergine Olivenöl, Hefe und Wasser. Die Eigenart der Torta al Testo ist das zweite Wort „Testo„. „Testo“ ist ein flacher Schamottestein, der auf offenem Feuer heiß gemacht wird.

Der Refraktärstein muss ganz heiss werden

Wenn soweit, wird der runde Teig draufgelegt und gleich mit einer Gabel gelöchert, damit er nicht aufbläht . Sobald das untere Teil in Kontakt mit dem Stein braun wird, dann dreht man die Torta auf dem Stein um, und wird mit heißer Asche vom Feuer zugedeckt.

Die Torta wird mit heisser Asche zugedeckt

Es ist kein einfacher Prozess (dauert ca. 20 Minuten), da muss man schon Experte sein, um die Torta weder zu verbrennen noch zu roh zu haben. Einmal fertig, wird die runde „Torta“ in Stücke geschnitten und mit Stracchino (Weichkäse) und Rucola, oder Wurst und „erba“ (eine Art wilder Spinat), oder Schinken und Käse gefüllt.

Eine "Torta" mit Wurst und Spinat

Wer einmal im Sommer nach Italien kommt, sollte unbedingt eine „Sagra“ besuchen, wobei einige (wie diese) interessanter und authentischer sind als andere (z.B. sind „Bier-“ , „Erdbeeren-“ oder „Spaghetti-“ Sagra oft eher ein Reinfall).

Sagra: nur frische lokale Zutaten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.