Gitter statt Gartenterrasse – Zum Essen ins Gefängnis

Im InGalera – auf Deutsch ImGefängnis – in Mailand ist der Name Programm. Das Restaurant im Gefängnis der kleinen Mailänder Gemeinde Bollate ist das einzige in Italien, in dem die Gäste freiwillig ins Gefängnis gehen. Wahlweise zum Mittag- oder zum Abendessen. Und während für die Gäste, nach dem Essen, der Weg wieder zurück in die Freiheit geht, müssen die Kellner und das Küchenpersonal bleiben und den Rest ihrer Strafen absitzen. Dennoch ein gutes Projekt, finden Gefängnisinsassen wie Besucher des InGalera, das bereits vor rund eineinhalb Jahren seine Pforten öffnete.

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Etwas seltsam sei es schon gewesen, nach so vielen Jahren ohne Kontakt zur Außenwelt wieder mit Leuten von Draußen in Kontakt zu kommen, bilanziert einer der Gefängnisinsassen, der eine mehrjährige Strafe absitzt und im InGalera als Kellner die Gäste bedient, die freiwillig ins Gefängnis kommen. „Wir haben in der Presse über das ungewöhnliche Restaurant gelesen und finden es einen guten Weg dieses Projekt zu unterstützen, indem wir hier essen gehen“, erzählt einer der Restaurantbesucher. „Wir möchten die Gesellschaft draußen mit der Alltagsrealität im Gefängnis in Kontakt bringen. Das soll denn Häftlingen, wenn sie dereinst aus der Haft entlassen werden, den Weg zurück in den Alltag leichter machen “, erklärt die Restaurantleiterin Silvia Polleri. Ein Konzept, das aufzugehen scheint. Die durchschnittliche Rückfallquote in italienischen Gefängnissen liegt bei rund 70 Prozent, in Bollate dagegen sind es gerade mal 20 Prozent. Dank der vielen Resozialisierungsmaßnahmen, zu denen auch das Knastrestaurant InGalera gehört, so die italienischen Behörden.

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Wer raus will aus dem Gefängnis in Bollate bei Mailand muss mehrere Jahre warten. Die meisten der rund 1200 Häftlinge sitzen wegen schwerer Verbrechen mehrjährige Haftstrafen ab. Wer zum Essen rein will in das Knastrestaurant InGalera muss unbedingt vorreservieren, dann ist der Weg zu einem Tisch hinter Gittern relativ einfach: Vorbei am Pförtnerhaus geht es, überwacht durch eine Kamera, hinter dicke, meterhohe Mauern, deren Kronen mit Stacheldrahtspiralen versehen sind, hinein zu den fein eingedeckten Tischen im ersten und einzigen Gefängnisrestaurants Italiens. Die Besonderheit des Ortes macht sich nicht nur durch die Gitter vor den Fenstern bemerkbar. Auch die Bilder an den Wänden – allesamt Filmplakate rund um das Thema Gefängnis – erinnern die Restaurantgäste daran, wo sie speisen. Das Essen dagegen kann mit hochwertigen Restaurants draußen mithalten: Carpaccio, Culetto di Maiale, Gnocchi, Safranrisotto, diverse Fleisch- und Fischgerichte sowie eine reichliche Dessertauswahl, damit wird das Restaurant auf seiner Homepage.

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Die Mannschaft im InGalera besteht ausschließlich aus Häftlingen, in der Küche wie im Service. Die Einrichtung ist modern-minimalistisch, edel. Die Essenspreise liegen zwischen 12 und 18 Euro für eine Vorspeise und 18 bis 25 Euro für den Hauptgang. Die Häftlinge, die im InGalera arbeiten, sind dort angestellt und werden für ihre Arbeit entlohnt. Rund 65 Prozent dessen, was die Kollegen draußen verdienen, bekommen sie am Monatsende. Plus Sozial- und Rentenversicherung und – und das ist nicht zu vernachlässigen – eine regelmäßige Arbeit, die sich im Lebenslauf gut macht und hoffentlich trotzt des Minuspunkts Ex-Häftling dabei hilft, nach der Entlassung wieder Fuß zu fassen und eine Arbeit zu finden.

http://www.ingalera.it/

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