Nachhaltigkeit – Auch die Italiener verlangen jetzt die “Family Bag”

Bis vor kurzem noch, wäre einem Italiener niemals in den Sinn gekommen, im Restaurant den Kellner zu bitten, ihm die halbe Portion Pizzaiola, die man beim besten Willen nicht mehr hinuntergebracht hat, einzupacken um sie mit nach Hause zu nehmen. Das gehörte sich einfach nicht und wenn jemand dann doch so dreist war, schämten sich die andern in Grund und Boden für ihn.

Doch auch die Italiener ändern ihre Gewohnheiten. Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass man mehr in der Welt herum kommt und von Auslandserfahrungen lernt. Oder es sind die „Kinder“, die im Ausland studieren, arbeiten und neue „Sitten“ mit nach Hause bringen.

Wie dem auch sei, Tatsache ist, dass auch immer mehr Italiener darauf achten, mit dem Essen verantwortungsvoll umzugehen, so wenig wie möglich, wenn überhaupt, in den Müll zu kippen.

Diese erfreuliche Wende bestätigte eine Studie des Landwirte-Verbands Coldiretti, die am 5. Februar veröffentlicht wurde, also an dem Tag an dem man europaweit gegen Verschwendungen aller Art, in erster Linie aber der Lebensmittel appelliert.

85 Kilo Lebensmittel wirft jeder Europäer im Jahr durchschnittlich weg. Selbst in Italien, im Land der weltweit gefeierten „buona cucina“, guten Küche, landen alljährlich zwei Millionen Tonnen in den Mülleimer. Und auch wenn die Italiener weniger Lebensmittel wegwerfen als andere EU Bürger, sind es noch immer, im Durchschnitt, 35 Kilogramm im Jahr, pro Einwohner. Die Haushalte machen 54 Prozent aus, hinzukommen dann noch 21 Prozent der Restaurants und Lokale, 15 Prozent des Lebensmittelvertriebs, 8 Prozent der Landwirtschaft und 2 Prozent der Verarbeitungsindustrie. Will man das in Euro umrechnen, sind es 16 Milliarden Euro im Jahr, die so jedes Jahr in den Müll kommen.

Natürlich mag der Sinneswandel den man schon seit einiger Zeit bei den Italienern beobachten kann, auch mit der Wirtschaftskrise zu tun haben. Aber Hauptsache ist ja, dass sich was getan hat. Anhand der Coldiretti Studie, haben sich allein im letzten Jahr über 70 Prozent der Italiener Mühe gegeben weniger oder überhaupt keine Lebensmittel mehr wegzuwerfen. In Zahlen gefasst heißt das: 40 Prozent verschwenden weniger, 31 Prozent überhaupt nicht mehr, 22 Prozent gibt an zumindest nicht mehr als sonst weggeworfen zu haben und nur 7 Prozent doch mehr als in der Vergangenheit.

Es sind aber nicht nur die Bürger, die verantwortungsvoller mit den Lebensmitteln umgehen. Viele Supermarktketten haben jetzt Regale eingerichtet auf denen ein Schild „Contro lo spreco alimentare“ zu lesen, also zur Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung. Dort findet man allerlei Produkte deren, auf der Packung angegebenes Verfallsdatum naht und deswegen um 50 Prozent weniger kosten. Und in den Restaurants rümpft niemand mehr die Nase wenn man den Kellner darum bittet, mit dem was nicht gegessen wurde eine „Family Bag“ herzurichten. Und dass man dafür einen englischen Begriff verwendet, adelt auf eine gewisse Weise die Bitte.

Zu Hause wiederum, ist es ja kein großer Aufwand die Reste so zu verarbeiten, dass sie nicht nur aufgewärmt werden, sondern ganz andere Speisen. Die italienische Küche kommt einem da natürlich besonders entgegen. Auch die besten Gerichte bestehen meistens aus wenigen Zutaten, und das erleichtert natürlich die Aufgabe, daraus was Neues zu zaubern. Nehmen wir mal Pasta-Reste: die „Frittata di pasta“, also ein Pasta-Omelette die man besonders in Süditalien schätzt, ist schon was ganz Besonderes. Oder einen in der Pfanne noch einmal überbratenen Risotto. Auch Klöpse aus Bratenresten sind wieder angesagt, genauso wie kalter Fleischsalat aus gekochtem Rindfleisch. Und dann sind da noch die zwei typisch toskanischen Suppen: die „Pappa al Pomodoro“ und die „Ribollita“, beide mit altgebackenem Weißbrot. Alles Omas Rezepte, die viele noch aus der Kindheit kennen und längere Zeit auch vermisst haben.

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