Mit dem Weinglas auf die Schulbank?

Den Deutschaufsatz mit einem Glas Rotwein in der Hand schreiben, oder in die Matheklausur mit einer Trockenbeerenauslese auf dem Tisch, auf dass die trögen Zahlen süßer werden. Ganz so praktisch, süffig soll es zwar auch an italienischen Schulen künftig nicht zugehen, der Wein soll aber dennoch ganz offiziell seinen Platz im Lehrplan italiensicher Schulen erhalten. Zumindest wenn es nach Dario Stefàno geht, ex-Referent für Landwirtschaft der Region Apulien und derzeit Senatsmitglied, eben dieser Region, im Parlament in Rom als Vertreter der Sinistra Ecologica Libertà, einer 2009 gegründeten, linksgerichteten, italienischen Ökopartei.

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Weingeschichte soll in Italien in den Lehrplan

„Wir wollen den Schülern nicht das Weintrinken beibringen“, versicherte Dario Stefàno zwar in einem Interview, das er der italienischen Tageszeitung „Il Fatto Quotidiano“ gab. Für Diskussionen sorgt sein Gesetzentwurf dennoch. Darin fordert Stefàno die gesetzlich geregelte Einführung von Weingeschichte als Schulfach in den Grund- und Mittelschulen. Wein und Weinbaugeschichte sei genauso ein identitätsschaffendes Schulfach und Teil der italienischen Kultur wie Kunst, Religion oder Musik. Kritikern seiner Theorie versucht Stefàno den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem er argumentiert, so neu sei die Idee den Wein an die Schule zu bringen gar nicht. In Frankreich stünde Weingeschichte schließlich bereits seit 30 Jahren auf dem Stundenplan.

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Weinherstellung als Schulfach

Noch ist der Vorschlag des weinliebenden Abgeordneten aus Apulien in der Entwicklungsphase. Bisher sieht sein Gesetzentwurf sechs Artikel vor. Geschätzte Kosten, damit die Lehrer an den in Frage kommenden Schulen entsprechend fortgebildet werden können und Lehrmaterial erstellt werden kann: 12 Millionen Euro. Dann sollen Lehrer, die bisher Wein nur aus privater Vorliebe kannten, in der Lage sein, ihren Schülern die Rolle des Weins in der italienischen Geschichte, wissenswertes rund um die Rebstöcke oder Weinproduktionsmethoden näher zu bringen. Verpflichtend solle die Weinkunde an Schulen zwar nicht werden, zeigt sich Stefàno kompromissbereit. Wünscht sich aber dennoch, den Wein am liebsten als gleichwertiges Schulfach wie beispielsweise die Musik. Musik zu studieren, bereichere die Schüler und tue ihnen gut, dennoch würden nicht alle Schüler Musiker, führt Stefàno als weiteres Argument an.

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In Italien ist der Wein zu Hause

Glaubt man Stefàno findet sein Gesetzentwurf viele Befürworter, darunter Apulien, Venezien, das Lazio und Umbrien. Den weinliebenden Abgeordneten wundert das nicht, gäbe es in Italien doch keine Region, die nicht Wein produziert oder konsumiert. „Das Ziel ist es, Kultur zu vermitteln und nicht, den Kindern das Trinken beizubringen“, betont Stefàno. Auch wenn er einräumt, Kindern bewusstes Trinken beizubringen, wäre nicht schlecht und würde zu einem verantwortungsvollen Alkoholkonsum führen. Ein Schelm ist, wer da schlechtes denkt und befürchtet, dass an italienischen Schulen aus dem Lehrplan künftig ein Leerplan werden könnte.

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