Italian Sounding und der italienische Käse der doch nicht italienisch ist

Italien ist weltweit beliebt, und alles was auch nur ansatzweise an Italien erinnert, verkauft sich besonders gut. Ein Phänomen, das in erster Linie die Lebensmittelbranche betrifft. Im Fachjargon spricht man von „Italian sounding“. Dabei handelt es sich um Erzeugnisse deren Namen Wörter wie Parmesan, Mozzarella, Salame, Tagliatelle, Prosciutto, Panettone, Pandoro, gleich ob richtig oder (gewollt) falschgeschrieben beinhalten, mit dem Original aber überhaupt nichts zu tun haben.

Italiens Lebensmittelbranche erzeugt 8,7 Prozent del BIP und stellt 3,3 Millionen Arbeitskräfte ein, also 13,2 Prozent aller Arbeitnehmer (Quelle: Nomisma). 20,5 Prozent der Erzeugnisse gehen in den Außenhandel (Quelle: Federalimentari). Zwar exportieren Franzosen, Deutsche, Spanier im Prozentsatz mehr, die made in Italy Produkte sind jedoch im Durchschnitt teurer, weswegen der erwirtschaftete Betrag höher ist. Und weil die italienischen Produkte „exquisiter“ sind, werden sie auch öfter als die der ausländischen Konkurrenz nachgeahmt. Dabei handelt es sich um ein Erwerbsvolumen von 60 Milliarden Euro, also das Doppelte von dem was exportiert wird.

Um diesem Phänomen nun endlich Einhalt zu gebieten, hat Italiens Regierung im Februar 2015 einen Plan aufgelegt um das „Made in Italy“ in den Branchen Mode, Lebensmittel, Getränke und Mechanik 260 Millionen Euro investiert, um diese zu fördern und zu schützen.

Weiter wurde, im selben Monat und im selben Jahr, also am 24. Februar 2015, in Rom auch der Verein „Italian Sounding“ ins Leben gerufen. Gründungsmitglieder sind der Italienische Landwirtschaftsverband Confagricoltura, die beiden italienischen Handelskammern in Deutschland, sowie Unternehmen, Konsortien und Fachverbände, die das gemeinsame Ziel verfolgen, den Vertrieb und Verkauf „falscher“ italienischer Produkte zu unterbinden. Auch Unioncamere, der Dachverband der Italienischen Handelskammern, ist dem Verein inzwischen beigetreten.

Wie man aus der Website von „Italian sounding“ (http://www.italian-sounding.de) entnehmen kann gehören zu den Aufgaben des Vereins unter anderem die Analyse und Berichterstattung Betreff eventuellen Marken- und Produktmissbrauch. So kann der Verein auch rechtlich aktiv werden, um den Verkauf von nicht italienischen Produkten, die als 100% Made in Italy ausgegeben werden, zu verhindern.

Einige Hürden bleiben aber trotzdembestehen. Für die Italiener, zum Beispiel, ließt man auf der Website „ist die Täuschung auf einer Verpackung oder in einer Werbung als eine öffentlich rechtliche Verletzung anzusehen, die von einer Behörde sanktioniert werden kann (so ist es jedenfalls in Italien), während in Deutschland der Schutz ausschließlich zivilrechtlich erfolgt. Die in Berlin oder Brüssel beschlossenen politischen Maßnahmen können also das Problem der „falschen“ Produkte der unlauteren Werbung nicht lösen.

Das deutsche Recht schützt das öffentliche Interesse an der Rechtmäßigkeit der Werbung und der Kommunikation mit dem Verbraucher, in dem es Einrichtungen, die kollektive Interessen vertreten, eine Klagebefugnis erteilt. Der Schutz ist in der Regel recht effektiv und erfolgt durch Einstweilige Verfügungen, die in der Regel am gleichen Tag der Beantragung erlassen werden und sofort durch Gerichtsvollzieher vollstreckt werden können“.

Quelle: Spazio Italia magazine n. 132 – Juni/Juli 2017, Seiten 68-69

 

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