Spenden statt vernichten, Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung

Die Tafeln, die in Deutschland überschüssige, aber noch verwendbare Lebensmittel sammeln und in den Tafelläden für wenig Geld an Bedürftige verkaufen, sind nicht nur für die, die kaum über die Runden kommen, eine bitter benötigte Alternative zum Einkauf im regulären Lebensmittelhandel. Sie sind auch ein Ansatz, um der Lebensmittelverschwendung den Kampf anzusagen. Getreu dem Motto spenden statt vernichten. Italien ist in diesem Sommer noch einen Schritt weiter gegangen und hat ein Gesetz gegen die Lebensmittelverschwendung verabschiedet.

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Damit ist Italien, nach Frankreich, weltweit das zweite Land, das mit Gesetzeskraft der Verschwendung von Lebensmitteln einen Riegel vorschieben möchte. Während in Frankreich Strafen drohen, sollte die französische Gesetzesversion kontra Lebensmittelverschwendung keine Beachtung finden, setzt Italien auf Steuererleichterungen für Unternehmen oder Abspeckung bürokratischer Hürden. So sollen es beispielsweise Landwirte und Einzelhandelsbetriebe zukünftig leichter haben, unverkaufte Lebensmittel an Hilfsorganisationen weiterzugeben. Das neue Gesetz wider der Verschwendung von Lebensmitteln sei eines der schönsten und greifbarsten Erbe der Mailänder Expo 2015, die Nachhaltigkeit und den schonenden Umgang mit Ressourcen zum Thema hatte, betont der italienische Landwirtschaftsminister Maurizio Martina.

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Das neue Gesetz definiert die Begriffe Überschuss und Verschwendung im Lebensmittelsektor und bringt Klarheit in die begrifflichen Unterschiede von Mindesthaltbarkeitsdatum und Verfallsdatum. Es erlaubt, Lebensmittel auch noch nach Überschreitung des Verkaufsdatums zu spenden. Brot beispielsweise kann zukünftig innerhalb von 24 Stunden nach Herstellung weitergegeben werden. Außerdem sieht es Vereinfachungen vor, was die Hygienerichtlinien für Lebensmittelspenden angeht. Das Gesetz propagiert, dass das auf abgeernteten Feldern noch verbliebene Erntegut eingesammelt und kostenlos an Bedürftige verteilt werden soll. In italienischen Restaurants, so steht es ebenfalls im Gesetzestext, muss keiner mehr den Hund vorschieben, um mit nach Hause zu nehmen, was nicht mehr in den Magen gepasst hat. Das „Doggy Bag“ wurde in „Family Bag“ umbenannt und gibt allen ganz offiziell die Möglichkeit nicht verzehrtes Essen mitzunehmen.

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Das Gesetz gegen die Verschwendung von Lebensmitteln passt in die aktuelle wirtschaftliche Situation in Italien. Die Wirtschaftskrise hat das Land noch fest im Griff und viele Italiener müssen den Gürtel drastisch enger schnallen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums sind rund sechs Millionen Italiener auf Lebensmittelspenden angewiesen. Da wundert es, dass, so Coldiretti, dass jeder Italiener im Schnitt jährlich gut 76 Kilo Lebensmittel in den Müll wirft. Eine Tatsache, die Italien jährlich um die zwölfeinhalb Millionen Euro kostet. Im Gegenzug, so schreibt die Süddeutsche Zeitung, würden in Italien jährlich rund 550.000 Tonnen Lebensmittel zur Verteilung eingesammelt. Künftig, dem neuen Gesetz sei Dank, soll diese Menge auf eine Million Tonnen pro Jahr steigen.

Quelle: repubblica.it

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