Der Wein in Florenz: wie alles im Mittelalter anfing

In der Weltgeschichte gab es einen Nahrungsmittel, der immer an erster Stelle seinen Platz hatte: den Wein!

Seit seiner ersten Erscheinung als Getränk von Noah in der Bibel, hat der Wein seit jeher die Kultur eines Volkes und dessen Lebensqualität beeinflusst. Heute ist der Wein aus der Toskana der weltweit bekannteste aus Italien. Aber, was haben die Florentiner in den vergangenen Jahrhunderten getrunken?

Der traditionsreiche "Vinattiere" Zanobini

Wenn man von den Etruskern absieht, die selber schon experte Weinmacher waren, wie sah die Weinwelt ab dem Mittelalter aus?.

Wie bei anderen Berufen, hatte auch der Weinverkäufer seine eigene Zunft. Es handelte sich um die Zunft der „Vinattieri“, eine der vierzehn „Arti Minori“ (niederen Zünfte), die Mitte des 13. Jahrhunderts in Florenz nach den schon existierenden „Arti Maggiori“ (großen Zünften) gegründet wurden.

Nach einiger Zeit, versuchte die Stadt Florenz den Weinhandel zu strukturieren, indem sie in jedem „Sechstel“ der Stadt einen Keller zum Verkauf und zum Ausschank von Wein öffnete. Die circa 100 sogenannten „Vinattieri“, gab es vor allem im „Oltrarno“ Gebiet, also auf der anderen Seite des Flusses Arno und im Gebiet rund um den Dom, also im Zentrum zwischen dem alten Markt und dem Fluss, heute zwischen Piazza della Repubblica, via Tornabuoni und der Brücke Santa Trinita. Man weiß zum Beispiel, daß es im Jahr 1065 einen Weinhändler namens Vinandro (ein echter „Weinname“!) gab. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts war die bekannteste Osteria die von Herrn Ciardo di Betto. Aus seinem Namen stammt vielleicht das italienische Wort „bettola“, das so was wie Kaschemme bedeutet. Diese Osteria befand sich gegenüber der heutigen San Lorenzo Markthalle, Ecke via dell’Ariento. Laut der damaligen Chronik, nahm Herr Ciardo di Betto an den Aufstand der Ciompi (Florentiner Arbeiter in der Kleidungsindustrie) teil und wurde später verhaftet und enthauptet.

Schon damals stellte der Wein für die lokale Wirtschaft, ein wichtiger Faktor dar, sodaß Ende des 14. Jahrhunderts eine Steuer auf Wein gesetzt wurde, die Zum Bau des Palazzo dei Priori, heute Palazzo Vecchio beitrug.

Der Bau von Palazzo Vecchio in Florenz wurde zum Teil mit der Weinsteuer finanziert

Aber was haben damals die Florentiner konkret getrunken? Weiß- oder Rotwein, trocken oder lieblich? Man unterschied zwischen den alltäglichen Wein und den für die Festlichkeiten. Normalerweise wurde der Wein mit Wasser gemischt, vor allem unter dem einfachen Volk. In den „Taverne“ wurde dagegen „vin pretto“, Wein pur vorgezogen. Man trank viel Weißwein aus Toskana, Sardinien und Griechenland. Rotwein, damals „leuchtendrot“ oder „schwarz“ genannt, gab es auch, aber der Weißwein spielte eine viel größere Rolle.
Trebbiano, Vernaccia, Malvasia, diese waren die vom Adel und Bürgertum bevorzugte Weine. Sie liebten es, diese Weine in Silberbechern aus mit Löwenköpfen dekorierten Flaschen zu trinken. Sehr geschätzt war auch der “vin cotto”, so genannt, weil gekochte Trauben hinzugefügt wurden und sehr alkoholreich war.

Schon damals gab es Zweifel über die Qualität der Weinherstellung, man hätte eher von einem weinhaltigen Getränk reden müssen, statt Wein. Um den Wein heller zu machen, wurden zum Beispiel Eiweiß und im Mörtel fein zerstoßene bittere Mandeln und Salz hinzugefügt, als Farbmittel wurden Pfeffer und Rosenblätter verwendet.

Erst im 17. Jahrhundert wurde das Werk vom eklektischen Francesco Redi aus Arezzo „Bacco in Toscana“, herausgegeben, eine Art Klassifizierung der Weine aus der Toskana. In dieser Zeit werden auch die ersten Weinexporte aus der Toskana nach Europa registriert. Im Jahr 1716 erließ der Großherzog Cosimo III ein Gesetz zur Reglementierung der Weinproduktion und grenzte die Gebiete der besten Weinen ein, ein Vorfahren der heutigen DOC Weine.

Heute noch trifft man in Florenz auf Straßennamen, die mit Weingärten zu tun haben: via della Vigna Vecchia, des alten Weingartens, der früher der Garten der benedektinischen Mönche der Badia Fiorentina war. Oder via della Vigna Nuova, außerhalb der Porta Pancrazio, wo die Gärten der Vallombrosaner Brüder waren. Oder auch die via Vinegia, oder die heutige Kirche Santa Maria Novella, die früher Santa Maria in Vigna (im Weingarten) hieß.

Die Kirche Santa Maria Novella in Florenz

In den alten Straßen von Florenz kann man heute noch kleine Fenster aus dem 14. Jahrhundert sehen, mit der Inschrift „Weinausschank“, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch aktiv waren.

Florenz: eine Weinausschank aus dem Mittelalter

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