Das Erdbeben hat Castelluccio zerstört – den Willen der Linsenbauern nicht

Die Linsenbauern von Castelluccio geben nicht auf. Nicht nach dem Erdbeben im vergangenen Oktober. Und nicht jetzt, wenn die Aussaat der Linsen ansteht, oder genauer gesagt, bereits überfällig ist. Durch das Erdbeben zerstörte Straßen machen die Zufahrt in das Gebiet der lenticchie di Castelluccio immer noch unmöglich. Dennoch haben die Erzeuger der einzigen IGP (IGP=geschützte geographische Angabe) geschützten Linsensorte Europas Anfang April damit begonnen, Sämaschinen, Saatgut und Traktoren nach Castelluccio zu schaffen. Mit Hilfe des italienischen Militärs. Dicke Luft zwischen den Landwirten und den zuständigen Behörden inbegriffen.

 Blüten in Castelluccio, Umbrien

Die Hochebene von Castelluccio im Naturpark der Monte Sibillini bezaubert zwischen Ende Mai und Anfang Juli mit einem Farbenspiel der besonderen Art. Immer dann, wenn la fioritura – die Blüte – die Hochebene in ein Blütenmeer aus Blau-, Rot-, Gelb- und Lilatönen verwandelt. Für den gelben Part dieser Blütenbracht sind normalerweise die lenticchie di Castelluccio verantwortlich, die zwischen Mai und August blühende Linsensorte. Normalerweise. Denn eigentlich hätte mit der Linsenaussaat bereits Anfang März begonnen werden sollen. Da das Erdbeben vom 30. Oktober 2016 aber nicht nur Castelluccio zerstört hat, sondern auch die Zufahrtsstraßen dorthin, ist dieses Jahr alles anders. In einem gemeinsamen Wettlauf gegen die Zeit haben Vertreter dieser in Umbrien gelegenen Region, der italienischen Straßenverwaltung Anas, des größten italienischen Landwirtschaftsverbands Coldiretti sowie Erzeugergemeinschaften der Landwirte eine Lösung gesucht, wie die Linsenbauern Saatmaschinen, Saatgut und Traktoren nach Castelluccio bringen können. Nicht immer mit den gleichen Vorstellungen.

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Die Behördenvertreter haben den Erzeugern zugesagt: Mensch, Maschinen und Saatgut mit militärischer Schützenhilfe und Sonderwegerecht über speziell für diesen Zweck geöffnete Straßen nach Castelluccio zu bringen. Von der Basisstation in Norcia aus muss der Konvoi rund 90 Kilometer zurücklegen, um nach Castelluccio zu gelangen. Ein paar Mal soll der Konvoi fahren bis alles in Castelluccio ist, dann sollen die Linsenbauern während der Aussaat dort Quartier beziehen. In noch zu errichtenden Notunterkünften oder in den beiden einzig noch bewohnbaren Apartmenthäusern der Gegend. Soweit die Vorstellung der Behördenvertreter. Geht nicht sagen die Linsenbauern. Und argumentieren: Die Aussaat dauere fast zwei Monate und sie hätten zu Hause Vieh zu versorgen. Zwei Monate in Castelluccio zu verbringen sei daher unmöglich. Und was, wenn eine Maschine kaputt geht und Ersatzteile benötigt werden. Ebenfalls unmöglich, so die Linsenbauern, jeden Tag zweimal 90 Kilometer zurückzulegen, um abends zu Haus das Vieh füttern zu können. Ihre Forderung daher: Eine kürzere Zufahrt von Campi di Norcia aus zu ermöglichen, die ein tägliches Pendeln zwischen dem Vieh zu Hause und den Linsenfeldern in Castelluccio gestatten würde.

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Bisher stehen eine Lösung des Problems und eine Einigung noch aus. Die Linsenbauern sind deswegen auf die Straße gegangen und haben protestiert. Sie fordern weiterhin die kürzere Zufahrt von Campi di Norcia aus. „Von zwölf Forderungen der Erzeuger haben wir elf erfüllt. Nur eine musste bisher aus Sicherheitsgründen aufgeschoben werden. Aber wir arbeiten an einer Lösung“ zeigt sich der Bürgermeister von Norcia, Nicola Alemanno, etwas verbittert. Ein weiteres Problem, das es zu lösen gilt: Die fioritura ist in ihrer blühenden Farbenpracht ein unter Touristen beliebtes Ereignis. Und auch wenn Tourismus in ein Erdbebengebiet auf den ersten Blick vielleicht seltsam erscheinen mag. Gerade nach den vielen zerstörerischen Erdstößen im vorigen Jahr brauchen die Bewohner der betroffenen Gebiete möglichst schnell die Normalität und damit die wirtschaftliche Sicherheit zurück. Und dazu gehören eben auch die Touristen, die sich die fioritura ansehen.

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Und wieder stellt sich das Problem der Erreichbarkeit Castelluccios. Um den Touristen Zugang nach Castelluccio zu ermöglichen, muss die zerstörte Landstraße 477 wieder hergestellt werden. Die Behörden sehen dies als machbare Aufgabe und versprechen: Bis Juni sei, wie bisher auch, die Zufahrt über die Landstraße 477 wieder möglich.

Hallo, ich habe eure Seite erst heute gefunden.
Meine Frage: Ist das obige Konto für die Opfer von Castelluccio noch aktiv?
Wir waren mehrmals auf dieser wundervollen Hochebene und würden ein kleines Schärflein beitragen wollen, die Not der Linsenbauern zu lindern.

Gruß
Willi Schmitt und Gertrud Radke

Einen schönen guten Morgen Herr Schmitt und Frau Radke,
wir freuen uns sehr, dass Sie unsere Seite gefunden haben und freuen uns noch mehr, dass Sie auf Grund des Artikels gewillt sind eine Spende für die Linsenbauern zu tätigen.
Sie haben nun 2 Möglichkeiten, Sie können einmal über folgenden link Geld direkt an die Gemeinde von Castelluccio senden: http://www.castellucciodinorcia.it/donazioni-castelluccio-norcia-it/, oder aber sich mit Herrn Preuss unter folgender Emailadresse in Verbindung setzen: ch.preuss@t-online.de. Herr Preuss schickt Ihnen dann sehr gerne weitere Unterlagen zu Ihrer Information zu.
Ich hoffe sehr, dass ich Ihnen mit dieser Information weiterhelfen konnte.
Liebe Grüße
Silvia

Einen schönen guten Nachmittag Herr Stinglmair,
ich habe mich heute im Tourismusbüro von Norcia bezüglich der Situation in Castelluccio erkundigt.
Momentan ist die Straße nach Castelluccio zu bestimmten Uhrzeiten geöffnet. Allerdings ändern sich die Uhrzeiten täglich je nach den zu erledigenden Straßenarbeiten. Es ist deshalb empfehlenswert sich morgens im Tourismusbüro zu erkundigen unter folgender Telefonnummer: +39 074371147.
Im Juni und im Juli wird es einen Shuttleservice geben, allerdings ist noch nicht ganz klar ab wo die Busse losfahren werden.
Liebe Grüße aus Italien
Silvia

Wie schon in meinem Kommentar zuvor geschrieben sammelt die Abtei Schäftlarn Spenden für die Menschen in Castelluccio. Wer diese Aktion unterstützen will kann Spenden überweisen auf das Treuhandkonto von:
Missio München
DE96 750 90 3000 8000 8000 4 BIC GENODEF1M05
Verwendungszweck: 58005-1073, Castelluccio di norcia
Wir werden diese Spenden auf Konto von der gemeinnützigen Organisation „per la vita di Castellucio onlus“ Weiterleiten.

Für Ihre Unterstützung möchte ich mit im voraus recht herzlich bedanken.

Liebe Leser dieses Newsletters, wir und damit meine ich meine Person und die Abei Schäftlarn im Isartal werden in den kommenden Wochen eine Spendenaktion für Castelluccio di Norcia starten um vor allen den Bauern und Hirten in diesem Gebirgsdorf unsere Solidarität zu zeigen. Gerade das brauchen diese Menschen, die sich vom italienischen Staat verlassen fühlen und von der Welt vergessen wurden. Wer hier mithelfen will, kann sich gerne bei mir melden unter ch.preuss@t-online.de. Dann schicke ich die Unterlagen zu. Helfen Sie bitte alle mit, damit wir den Menschen in den sibillinischen Bergen zeigen, daß wir sie nicht vergessen haben! Vielen Dank im voraus!
Dr. Christoph Preuss, Irschenhausen

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