Ein Blick auf die Speisekarte genügt

Ein Blick auf die Speisekarte genügt und schon weiß man, ob es sich lohnt, in einem Restaurant essen zu gehen oder nicht. Das zumindest behaupteten die beiden angesagten italienischen Journalisten Fede und Tinto, die sich mit allem rund um Önogastronomie beschäftigen, jüngst auf ihrer Homepage Decanter Radio2. Und zitieren dabei wiederum einen unbekannten Gourmetjournalisten, der sich selbst auf die Fahnen schreibt, vom Sternelokal, über die Trattoria um die Ecke, bis hin zur einfachen Kneipe alle Restaurantkategorien diesbezüglich ausführlich im Eigenversuch getestet zu haben. Herausgekommen ist ein Liste von Dingen, die zu beachten sind, soll der Restaurantbesuch keine kulinarische Bauchlandung werden.

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 Ad eins: Ein gutes Essen sollte aus dem zubereitet werden, was gerade reift. Der Jahreszeit angepasste Zutaten sind nicht nur eine gewisse Qualitätsgarantie und Zeugnis dafür, dass der Küchenchef abwechslungsreich kocht, sondern auch ein Indiz für frische Küche. Zum zweiten: Was das Layout der Speisekarte angeht, sollte diese nicht zu sehr auf die Form, sondern mehr auf den Inhalt ausgerichtet sein. Eine super aufgemotzte Speisekarte ist vielleicht auf den ersten Blick ansprechender als ein, auf ein DinA4 Blatt handgeschriebenes, vielleicht noch foliertes Exemplar. Aber gerade die einfach und schnell zu erstellende Speisekarte kann ein Zeichen dafür sein, dass hier einer kocht, der seine Gerichte öfters, der Saison angepasst, variiert. Drittens: Sprachliche Übertreibungen sollen vielleicht über mangelhafte Fähigkeiten an Kochtopf und Pfanne hinwegtäuschen, oder dem Restaurantbesucher den Geldbeutel weiter öffnen. Ganz nach dem Motto: Ein Fisch, der auf einem Blattspinatbett daher schwimmt, kann ruhig mehr kosten, als ein Fisch mit Blattspinat als Beilage.

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 Viertens: Die Alarmglocken sollten schrillen, wenn nur Pilze in Knoblauch auf der Speisekarte stehen. Wenn alles mit Balsamico-Glasur überzogen wird. Wenn der Fisch nur paniert angeboten wird oder wenn Riesengarnelen und Jakobsmuscheln für allzu wenig Geld zu haben sind. Hier könnten minderwertige Zutaten der Grund sein. Als fünftes gehen Fede und Tinto auf die Größe der Speisekarte ein. Ist die Auswahl an angebotenen Gerichten zu reichhaltig, ist das häufig ein schlechtes Zeichen. Als idealen Umfang einer Speisekarte geben die Önogastronomie-Experten eine Auswahl von um die zwanzig Gerichten an. Ein einfaches, kleines Restaurant kann unmöglich von der Pizza bis zum Sushi, vom Nudelgericht über Fleisch und Fisch alles in gleichguter Qualität zubereiten. Sechstens: Die Ausgangsprodukte können auch ein Qualitätsindikator sein. Wer besondere Ausgangsprodukte verwendet und diese in vielfältiger Weise zubereitet, zeigt, dass er das Ausgangsprodukt wertschätzt. Beispielsweise ein Rind eines lokalen Erzeugers, das als Carpaccio, als Ragù, als Suppe oder als Fleischbällchen auf den Tellern der Gäste endet.

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 Siebtens: Alle Wildgerichte oder Gericht, die aus schwer zu besorgenden, teuren Zutaten gekocht werden, müssten von einem kompetenten Koch zubereitet sein. Schließlich kann es sich kein Restaurantbesitzer auf die Dauer leisten, teuer einzukaufen und wenig zu verkaufen, weil die Gäste wegen mangelnder Qualität kein zweites Mal wiederkommen. Also einfach mal ein Restaurant ausprobieren, das auf seiner Speisekarte Hirsch, Ente, Wachtel, Taube oder Meerbarbe und Petersfisch anbietet. Achtens: Wer googelt wo er essen möchte, sollte sich nicht auf TripAdvisor beschränken. Wer seine Internetrecherche etwas ausweitet und dort auf überwiegend positive Kritiken stößt, kann recht sicher sein, eine gute Wahl zu treffen. Zu guter Letzt: Ein all you can eat, das seine Speisekarte nie ändert und eine kaum zu überbietende Auswahl an Gerichten auf der Speisekarte stehen hat, ist nie eine gute Wahl.

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