Die Gostlina im Kars

Wer die Krimis von Veit Heinichen kennt und schätzt, der kennt auch schon die Region zwischen Triest und Görz, Gorizia, Carso, Kars genannt. Und auch den Weinschmeckern müsste die Gegend ein Begriff sein, denn sie zählt zu den wichtigsten Weinbaugebieten Norditaliens. Hier sind ausgezeichnete Chardonays, Traminer, Pinot Grigio sowie der Refosco und der Terrano zu Hause.

Aber kurz noch zu zurück den Krimis von Veit Heinichen, der seit 1997 in Triest lebt und sich mit der Geschichte dieser Stadt und seiner Umgebung gründlich befasst hat. Jeder Fall mit dem sich sein Commissario Proteo Laurenti beschäftig, ist auch ein Lehrbuch, über das was hier einst geschah, denn die Gegenwart ist eng mit der Vergangenheit verflochten. Man so manches über die Habsburger die in Triest ihre Kriegsmarine stationierten und in der Stadt auch viel bauten. Und auch die Tradition der Kaffeehäuser (eines davon, das San Marco, ist das Stammlokal des Schriftstellers Claudio Magris) verdankt die Stadt dem österreichischen Herrscherhaus, deren Mitglieder auch einen Teil des Sommers hier oft und gerne verbrachten. Davon zeugen auch die schönen Villen aus der Kaiserzeit entlang der Küste (bis hin zur kroatischen Ortschaft Opatija), und natürlich das Schloss Miramare nördlich von Triest, dessen Bau Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich, der Bruder von Kaiser Franz Josef, 1855 in Auftrag gegeben hatte. Besonders viel erfährt man Dank dem Commissario aber auch über die Zeit gleich nach dem zweiten Weltkrieg, als Titos Partisanen, hunderte von Gegner in die Foibe, den Schluchten, von denen es im Carso unzählige gibt, in den Tod stießen.

Es gibt also viel zu sehen, und natürlich auch zu genießen, denn in diesem Grenzgebiet treffen drei Kulturen aufeinander: die italienische, die slowenische und die österreichische.

Und wer sich für diese ethnischen Vermischungen interessiert, der sollte unbedingt dem Lokal „Lokanda Devetak 1870“, einen Besuch abstatten. Erreichen tut man die Lokanda über Gradisca d’Isonzo, 50 Kilometer nördlich von Triest gelegen. Wer sich verfahren sollte, der braucht nur zu fragen, denn in der Gegend gibt es niemanden, der das Lokal nicht kennt.

Der Name Devetak bezieht sich auf die Familie in dessen Besitz es sich seit 1870 befindet, also seit fünf Generationen. Die Devetak gehören zur slowenischen Minderheit, daher auch der Begriff „Gostlina“ für „Trattoria“, Gasthaus.

Die ganze Familie arbeitet hier, Vater Avgustin, Mutter Gabriella und die vier Töchter. Die Mutter die eigentlich aus Brescia stammt, hat sich lange in die Geschichte des Carso vertieft um jetzt, zusammen mit ihrer Tochter Tatjana, typische Rezepte auf den Tisch zu zaubern. Zum Beispiel die „Snidejneo testo“, Gnocchi aus Hefeteig mit Spargelsoße. Der Name kann einem zum Schwitzen bringen, die Speise befördert einen direkt in den Genusshimmel.

Hausgemachte Entrées bereiten auf diese Gaumenfreude vor: eingelegtes und eingemachtes Gemüse zusammen mit Käse und verschiedene Marmeladen.

Für die Gemüse- und Kräuterbeete, sowie für den Obstgarten sind Tochter Sara und der Großvater Renato zuständig. Denn was hier auf den Tisch kommt ist taufrisch, oder eben selbstgemacht. Tomatensaucen, Marmeladen, eingelegtes Gemüse kann man auch erstehen.

Die Speisekarte ist natürlich streng regional. Zu den Spezialitäten des Hauses gehören „Mlinci con la Supeta“, (Pasta mit Suppenhuhn Geschnetzeltes im Ofen überbacken), „Selinka Suppe“, mit Sellerie und Schweinefleisch im Holzofen gegart, Hasenbraten und Rindsfilet á la carsolina, mit Terrano Wein aufgegossen. Lokaler Käse und ein hausgemachtes Dessert sind dann die perfekte Abrundung. Die „Ghibaniza“ eine Torte aus Apfelscheibenschichten mit Quark, Mohn, Pinoli, ist ein wahrer Traum. Und natürlich gibt es auch einen Weinkeller, im Felsen eingebaut. Ausgestattet ist er mit den besten Prädikatsweinen der Region

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