Der “confetto” aus Ovids Geburtsstadt

Fragt man einen Ausländer ob er Sulmona, die Kleinstadt in der Provinz von L’Aquila, in den süditalienischen Abruzzen kennt, oder auch nur davon gehört hat, wird er wahrscheinlich nein sagen. Das muss aber nicht unbedingt stimmen. Denn in Sulmona kam 43 v.C. der Dichter Ovid auf die Welt, zu dessen berühmtesten Werken die „Ars amandi“ zählt. Weiter wurden in Sulmona zahlreiche Filme gedreht, manche davon auch mit internationalem Renommee. Zum Beispiel „Stille Nacht, tödliche Nacht“ von preisgekrönten italienischen Regisseur Mario Monicelli (wobei die Übersetzung „Schlangengrube Familie“ dem Originaltitel „Parenti serpenti“ und somit dem Inhalt näher gekommen wäre). Und 2009 waren die 24 Tausend Einwohner wieder mal vollkommen aus dem Häuschen, diesmal wegen George Clooney. In Sulmona wurden auch Szenen von „The American“ gedreht.

Das Zentrum von Sulmona, mit seinen bestens erhaltenen Bauten aus dem Mittelalter und der Renaissance bieten sich in der Tat als einzigartige Kulisse. Allen voran der Hauptplatz, piazza Garibaldi. Dieser wird von einem beeindruckenden Bau aus dem 13. Jahrhundert dominiert: dem Aquädukt mit seinen 21 Spitzbögen, vom Staufenkönig Manfred in Auftrag gegebenen. Und dann ist da noch die Kirche Santa Maria della Tomba aus dem 14. Jahrhundert, mit ihrer fast schon minimalistischen und deswegen umso faszinierenderen Fassade, und der Palazzo samt Kirche dell’Annunziata, wo sich im Laufe der Jahrhunderte (14. – 16.Jhd) etliche Virtuose die Klinke in die Hand gereicht haben.

Für die Italiener ist Sulmona stattdessen ein Begriff. Ein süßer Begriff, und zwar „für den schönsten Tag im Leben“. Sie ist nämlich italienweit die unangefochtene Hauptstadt der „confetti“. Mit dieser süßen kleinen Köstlichkeit – außen eine weiße, zarte Zuckerschale, innen eine Mandel – füllt man nämlich die Hochzeits- „bomboniere“, die dann Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen geschenkt werden, und am Hochzeitstag natürlich den Gästen. Schon zu Zeiten der alten Römer gehörte das Verschenken von „confetti“ zu besonderen Anlässen, neben der Hochzeit auch die Geburt eines Kindes, zur Tradition.

In Sulmona wird die Erzeugung von „confetti“ urkundlich schon seit dem XV. Jahrhundert bestätigt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Herstellungsprozedur immer verfeinert. So wurden die Mandeln aus Avola (ein Ort in der Nähe von Siracusa, Sizilien), die etwas breiter und flacher als die herkömmliche sind, einst auch in Gummiarabikum oder in Zucker vermengt mit Mehlstärke eingehüllt. Heutzutage verwendet man jedoch nur mehr feinsten Zucker. Einst wurde der Kupferkessel mit den „confetti“ über offenem Feuer per Hand gedreht, mittlerweile ist der Vorgang automatisiert, dauert aber nichtsdestotrotz ganze drei Tage.

Auch im Aussehen und im Geschmack hat sich so manche geändert, obwohl einige Usancen unangefochten weiter bestehen: so sind die Hochzeitsconfetti weiter weiß; rosa sind sie wenn ein Mädchen auf die Welt kommt und hellblau im Fall eines Jungens.

Weniger strickt hat man es mit der Füllung gehalten. Bei Hochzeiten ist die Mandel noch immer ein Must, bei allen anderen Anlässen jedoch, darf man sich wünschen was das Herz, beziehungsweise der Gaumen, begehrt. Zu den beliebtesten Füllungen gehören: Schokolade, Pistazien, Kaffee.

Und last but not least, sind da noch die kunstvollen Kreationen: die bunten Blumen und Blumensträuße, Körbe, einst sogar Broschen und andere Schmuckstücke. Sie tragen Zeugnis einer seit Jahrhunderten hier ansässigen Handwerkertradition. Immerhin waren Sulmona einst auch eine florierende Goldschmiede.

Zu den ältesten Confettiherstellern in der Stadt gehören die Familien Pelino und Di Carlo. Im Firmenlogo von Pelino steht 1783 als Gründungsjahr, in dem von William Di Carlo 1831.

Pelino hat auch ein „Museo del confetto“ eröffnet, https://confettimariopelino.com/museo/, das sich wirklich lohnt zu besichtigen. Da erfährt man noch so manch Interessantes über diese kleine Köstlichkeit.

Complimenti für diesen tollen und ausfürlichen Bericht über Sulmona . Wir wohnen hier im zauberhaften Peligna-Tal (ca. 2 Dörfer weiter) und haben auch gerade einen Blogbeitrag über unsere malerische Nachbarstadt veröffentlicht. Ich hab deinen Artikel in dem Beitrag als weiterführende Information zur Confetti-Produktion ewähnt (die streifen wir nur am Rande) und hoffe sehr, dass du damit einverstanden bist. Ansonsten nehmen wir den Link natürlich raus! Saluti aus Abruzzo – Jule

Hallo Jule!
Danke für das Erwähnen von Andreas Beitrag über Sulmona. Wir freuen uns immer, mit anderen Italien Freunde zu kooperieren. Wenn Du auch interessante Beiträge hast, können wir sie gerne in unserem Blog mit Link auf Deine Seite veröffentlichen. Ciao. Fabio

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