Die süße Rote mit Biss – Cipolla Rossa di Tropea

Rot, knackig, süß und leicht verdaulich: Wer in Kalabrien Urlaub macht, kommt um die Cipolla Rossa di Tropea – die Rote Zwiebel von Tropea – nicht herum.  Auf dem Teller nicht und nicht in den Geschäften oder bei den fliegenden Händlern am Straßenrand.

 

Die dekorativen Zwiebelzöpfe fallen auf. Die einst grünen röhrenförmigen Zwiebelblätter sind hellbraun getrocknet und zu einem festen Zopf geflochten. Die eingeflochtenen, länglichen rotschaligen Zwiebeln bilden einen hübschen Kontrast zu dem hellbraunen Zopf. „Die Zwiebelzöpfe sind die klassische Methode, um die roten Zwiebeln von Tropea aufzubewahren. So haben das die Hausfrauen hier schon immer gemacht“, erklärt Giovanni Schiariti. Und der muss es wissen. Bereits in den 50er Jahren hat sich seine Familie auf den Anbau der Roten Zwiebel von Tropea spezialisiert. Vater Francesco hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Cipolla Rossa di Tropea 2008 in den Status eines IGP Produkt erhoben wurde. Also nur dann als Cipolla Rossa di Tropea verkauft werden darf, wenn sie in einem geografisch genau definierten Gebiet angebaut wurde.

Es ist das Zusammenspiel aus Zwiebelsorte, Klima und Bodenbeschaffenheit, das die Rote Zwiebel von Tropea zu dem macht, was sie ist. Eine besonders milde und bekömmliche, sehr süß schmeckende fleischige Zwiebel, die auf Grund des natürlichen Antibiotikums Allicin, das sie enthält, nicht nur kulinarisch, sondern auch gesundheitlich punktet. Die Rote Zwiebel von Tropea wirke verdauungsfördernd, keimhemmend und keimtötend, erzählt Giovanni Schiariti. Außerdem soll sie das Herz-Kreislauf-System anregen, sagen die Fans der süßen Roten. Ihr Anbau ist auf einen Küstenstreifen am Tyrrhenischen  Meer bei Capo Vaticano beschränkt und umfasst Teile der Provinzen Cosenza, Catanzaro und Vibo Valentia. Dass die rote Zwiebel, die die weltweit süßeste Zwiebelsorte sein soll, den Beinamen „di Tropea“ bekommen hat, liegt daran, dass die Zwiebeln ursprünglich vom Bahnhof in Tropea aus ins restliche Italien und ins Ausland transportiert wurden.

„Wenn die gleiche Zwiebelsorte woanders angebaut wird, verliert sie an Geschmack“, ist Giovanni Schiariti überzeugt. „Sie braucht die Nähe zum Meer und die fruchtbaren Böden hier in der Gegend“, erklärt er, während er auf einem seiner Felder steht. Hinter einer Hecke verborgen fallen die Klippen der Steilküste zum Meer hin ab. Im Winter ist es hier ungemütlich kalt und feucht, im Sommer sehr heiß, jeweils ohne große Temperatursprünge. Das mag die Rote Zwiebel von Tropea – und die wasserreichen Böden. Der Anbau der Roten Zwiebel von Tropea ist mit viel Handarbeit verbunden. Beispielsweise wenn Mitte Januar die Arbeiter in gebückter Haltung die jungen, vorgezogenen Zwiebelchen in die Erde bringen.  In handlichen Bündeln liegen sie am Feldrand bereit, um einzeln, Zwiebelchen für Zwiebelchen, in die Erde gesteckt zu werden. Die auf den Feldern angehäuften Erdwälle, die alle noch bepflanzt werden müssen, wirken unendlich.

Handarbeit ist auch wieder angesagt, wenn die Zwiebeln erst einmal reif und geerntet sind. Zumindest bei Giovanni Schiarini. Einen Großteil seiner Ernte verarbeitet er zu Trockenzwiebeln. Bevor die geschnittenen Zwiebeln auf Kunststoffgittern in speziellen Öfen getrocknet werden, werden die Zwiebeln per Hand geschält und kommen anschließen in eine Waschanlage, an deren Ende sie – maschinell – geschnitten werden. „Die Rote Zwiebel von Tropea besteht zu 90% aus Wasser“, erzählt Giovanni Schiariti. Entsprechend viel rohe Zwiebeln braucht es, um die Trockenzwiebeln herzustellen. Was nicht als getrocknete Zwiebeln in die Tüte kommt, wird frisch verkauft. Lose oder ganz normal im Netz, wie bei Zwiebeln üblich; als Cipollotto Fresco – als Zwiebelbund den Lauchzwiebeln vergleichbar – und eben als der typisch kalabrische Zwiebelzopf.  Auch zu Marmelade wird die Rote Zwiebel von Tropea verarbeitet. So lässt sich der Kalabrien-Urlaub als kulinarische Erinnerung im Glas mit nach Hause nehmen. Auch wenn viele, dort wo die Cipolla Rossa di Tropea angebaut wird, davon überzeugt sind: Am besten schmeckt sie frisch, mit Tomatensalat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.