Vier Rosenkränze und etwas Kondition – Calà del Sasso

Baumstämme in einer Steinrinne runter – Salz und Mehl auf dem Maultierrücken rauf. Die Calà del Sasso, eine antike Handelsstraße, hat eine Besonderheit: 4.444 direkt in den Felsen gehauene sowie aus dem umliegenden Felsgestein gefertigte und in den steilen Berghang getriebene Stufen. Flankiert von einer steinernen Rinne, die mal rechts-, mal linksseits der Stufen verläuft.

Erbaut wurde die Calà del Sasso, die die Hochebene von Asiago mit dem Ort Valstagna und damit mit dem Fluss Brenta verbindet, Ende des 14. Anfang des 15. Jahrhunderts. Der Auslöser: der Unmut der Bewohner der Hochebene von Asiago darüber, dass sie für den Holztransport auf den bereits vorhandenen Wegen Zoll bezahlen sollten. Der Nutzen: Das in der Hochebene von Asiago geschlagene Holz, das via Brenta zum Schiffsbau und für die Stützpfähle der Lagunenstadt nach Venedig transportiert wurde, konnte schneller und kostengünstiger zum Fluss transportiert werden.

Im Volksmund soll die Calà del Sasso einst der Weg der vier Rosenkränze genannt worden sein, weil es genauso lange brauchte, die Felsstufen Richtung Hochebene von Asiago zu bezwingen, wie vier Rosenkränze zu beten. „Es braucht etwas Kondition, gutes Schuhwerk und rund zwei Stunden Zeit“, erklärt Carlo Perli den wanderwilligen Touristen, um vom Parkplatz, kurz vor dem Einstieg in die Calà del Sasso, bis zum Endpunkt in der Gemeinde Sasso zu kommen. Bis zur Eingemeindung Valstagnas in die neu geschaffene Großgemeinde Valbrenta Anfang 2019 war Perli Bürgermeister von Valstagna. Die Calà del Sasso kennt er wie seine Westentasche. Er begeht sie regelmäßig, am liebsten bergauf, und kann dabei einiges über die besondere Treppe erzählen: Dass sie rund zweieinhalb Kilometer lang sei, eine Höhendifferenz von rund 770 Metern überwinde, es rund 2 Stunden brauche, um von unten nach oben zu steigen und sie mit ihren 4.444 Stufen die längste Freitreppe Europas sein soll. Auch wenn der Wanderer vergisst nachzuzählen, ob es tatsächlich genau 4.444 Stufen sind, keine vier Rosenkränze betet, um die Aufstiegszeit zu messen und sowieso nicht nachprüfen kann, ob der Superlativ „längste Freitreppe Europas“ stimmt, eines ist sicher: Es lohnt, sich die Calà del Sasso zu erwandern.

An heißen Sommertagen spenden die Bäume angenehm kühlenden Schatten und die Sonne zaubert malerische Lichtflecken auf den dunklen Waldboden. Vom Startpunkt am Parkplatz aus geht es zunächst auf einem breiten Kiesweg in Richtung Anfangspunkt der Treppe. Die erste Stufe liegt unscheinbar im Gras verborgen. Scheint eher ein willkürlich abgelegter Stein, als der Beginn einer langen Treppe. Einige Schritte später sind die von Menschenhand geschaffenen Stufen deutlich als solche erkennbar. Ebenfalls die parallel zur Treppe verlaufende Steinrinne. „Früher haben die Waldarbeiter oben auf der Hochebene von Asiago mehrere frisch geschlagene Stämme, mit aus dünnen Haselnusszweigen gefertigten Seilen, zusammengebunden“, erklärt Carlo Perli. Dabei sei als vorderster Stamm immer einer ausgewählt worden der eine leichte Biegung an der Spitze gehabt hätte, so seien die Stämme einfacher zu lenken gewesen. Was dann folgte, war harte Arbeit und eine große Portion Geschicklichkeit, während die Stämme durch ihr Eigengewicht in Richtung Tal rutschten. Teils mit großer Geschwindigkeit, wie Perli erklärt.

Die Waldarbeiter hätten die Seile mit den daran festgebundenen Baumstämmen während der Talfahrt nie aus der Hand gelassen, erklärt er weiter und fügt an: „in den Kurven lenkten sie die Stämme durch geschickten Körpereinsatz von der rechtsseitigen in die linksseitige Rinne – oder umgekehrt. Eine anstrengende Arbeit, im Dauerlauf bergab. Die Wanderer von heute kommen höchstens wegen der Steigung ins Schnaufen, um die 40% sind es an den steilsten Abschnitten. Die landschaftliche Schönheit entlohnt die körperliche Anstrengung. Enge, in den Felsen gehauene Hohlwege wechseln sich mit offenen Wegstücken ab, die in Serpentinen den Berg hinauf führen. Ganz oben öffnet sich eine Waldlichtung. Trockenmauern zeugen immer wieder von den handwerklichen Fähigkeiten der Erbauer. Ein mehrere Meter hohes Exemplar, erklärt Perli, sei nicht nur errichtet worden, um den Hang vor dem Abrutschen zu sichern, sondern um dafür zu sorgen, dass die Stämme an diesem besonders schwierig zu meisternden Abschnitt nicht unkontrolliert den Hang hinunter donnerten und – gemeinsam mit dem erwarteten Verkaufserlös – auf Nimmerwiedersehen im unwegsamen Wald verschwanden.

Ausgangspunkt: Von Valstagna auf der SP73 Richtung Foza fahren, an der zweiten Spitzkehre kann das Auto rechterhand auf einem Parkplatz abgestellt werden. Der Weg beginnt auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Bis Sasso sind es ca. 2 Stunden, Weg Nr. 778.

Rückweg: Entweder die gleiche Strecke zurück oder alternativ weiter auf Weg Nr. 800 bis Cima d’Astiago, dann Weg Nr. 775 (Sentiereo del „El Vu“) folgen bis dieser auf die Alta Via del Tabacco stößt, Via del Tabacco folgen bis diese auf die Calà del Sasso trifft.

https://www.museialtovicentino.it/musei/archeologia-e-storia/1828-cala-del-sasso.html

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