In Brescia ist Geschichte zu Stein geworden

Steingewordene Zeugen römischer Macht. Gemauerte Spuren langobardischer Herrschaft. Gebäude, deren Architektur an die Zeit erinnert, als die Venezianische Republik in der Stadt das Sagen hatte. Ein Rundgang durch die Innenstadt von Brescia ist wie ein Spaziergang durch ein Handbuch für Stadtgeschichte.

„Brescia ist eine geschichtsträchtige Stadt und eine Stadt der Kunst“, erklärt Elisa Bassini, Fremdenführerin bei „Guida Artistica“. Die Gruppe hauptberuflicher Fremdenführer hat es sich auf die Fahnen geschrieben, den Besuchern der Stadt Brescia die Begeisterung für ihre Heimat nahe zu bringen. Mittels verschiedener Themenführungen. An diesem Tag geht es um die architektonischen Spuren, die die wechselnden Herrscher in Brescia hinterlassen haben.

Elisa führt die Besucher, die den Finger fast nicht mehr vom Auslöser der Kamera nehmen, vor allem über drei Plätze: Piazza della Loggia, Piazza del Foro und Piazza Paolo VI, wie der ehemalige Domplatz mittlerweile heißt. „Drei Plätze, die von drei Epochen zeugen und an denen sich ein Stück Stadtgeschichte ablesen lässt“, erklärt sie den Besuchern auf der Piazza della Loggia. Es ist zwar nicht die älteste Piazza in der Stadt, dafür aber die eleganteste. Ein großer rechteckiger Platz, der in der Renaissance im venezianischen Stil erbaut wurde. Der Uhrenturm – der Torre dell’Orologio – gleicht fast wie ein Zwillingsbruder dem berühmten Uhrenturm auf der Piazza San Marco in Venedig.

Gegenüber liegt der prächtige Palazzo della Loggia. Auch er stammt aus der Zeit der Venezianischen Republik und hat dem Platz seinen Namen gegeben. 1492 wurde mit dem Bau des repräsentativen Gebäudes begonnen. Zahlreiche Architekten waren daran beteiligt, darunter Berühmtheiten wie Jacopo Sansovino und Andrea Palladio. Heute ist im Palazzo della Loggia das Rathaus untergebracht. Und wenn den Besuchern der Stadtverwaltung der Atem stockt, während sie die große mit roten Teppichen ausgelegte Steintreppe hochsteigen, dann weniger aus mangelnder Kondition, sondern vielmehr wegen der monumentalen Architektur im Gebäudeinneren. Ein Blick hinein lohnt auf jeden Fall.

„Sehen Sie hier links, unterhalb der venezianischen Säulen und Arkaden, die römische Inschrift und die mit Girlanden verzierten Tierköpfe?“. Elisa wendet sich vom Rathaus ab und zeigt auf die Fassade eines Gebäudekomplexes, der die Piazza della Loggia zwischen Rathaus und Uhrenturm umrahmt. „Die Girlanden stammen von einem römischen Sarkophag und wurden im 15. Jahrhundert absichtlich in die Fassade integriert“, erklärt Elisa; in Anerkennung ihres historischen Werts, als ältestes Lapidarium Italiens sozusagen.

Dann geht es weiter auf die Piazza Paolo VI. Dieser Platz mittelalterlichen Ursprungs gehört mit zu den ältesten der Stadt. Beim Zwischenstopp in einem der Straßenkaffes fällt der Blick auf die beiden gegenüberliegenden Kirchen: Den sogenannten neuen Dom und seinen älteren Bruder: La Rotonda. Der neue Dom ist ein monumentales Bauwerk. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde mit seinem Bau begonnen und bis zu seiner Fertigstellung dauerte es zwei Jahrhunderte. Im gleißenden Sonnenlicht und vor dem Hintergrund des strahlend blauen Himmels zeichnet sich der weiße Dom kontrastreich ab. Seine Kuppel kann mit den ganz großen mithalten. Nach dem Petersdom in Rom und der von Brunelleschi in Florenz geschaffenen Domkuppel, ist die Kuppel des Doms von Brescia die drittgrößte in ganz Italien. Gleich daneben schmiegt sich der alte Dom an seinen jüngeren Bruder. Neben dem mächtigen weißen neuen Dom wirkt er fast klein. Ein Eindruck, der sich im Inneren des wegen seiner runden Bauweise auch La Rotonda genannten Doms rasch als Trugschluss erweist. Was von außen an Höhe fehlt, machen im Inneren Treppen, die weit unter Bodenniveau hinunter führen, wieder wett. Errichtet wurde La Rotonda im 11. und 12. Jahrhundert. An Stelle einer ursprünglichen Kathederale aus frühchristlicher Zeit.

Wieder aus dem Dom draußen, sind es nur wenige Schritte bis zur Piazza del Foro. Dort bekommen die Besucher Brescias einen Eindruck davon, wie es in der Stadt ausgesehen hat als die Römer dort herrschten. Eine unter Erdschichten und Bauten aus späteren Zeiten verborgene römische Stadtanlage wurde in Teilen freigelegt. Am markantesten präsentieren sich die Überreste eines Kapitolischen Tempels. Als Erbauer gilt Kaiser Vespasian. Er soll den Tempel zwischen 73 und 74 n. Chr., als Brescia noch Brixia hieß, errichtet haben. Einige Schritte weiter gilt es die Reste eines Amphitheaters zu besichtigen, bevor das Museum Santa Giulia auf dem Programm steht. Das Museum ist im ehemaligen Benediktinerkloster San Salvatore und Santa Giulia untergebracht. Dieses wurde unter den Langobarden im Jahre 753 vom späteren Langobarden König Desiderius und dessen Frau Ansa gegründet. Seit 2011 steht das Kloster auf der Liste der UNESCO Weltkulturerbe. Wie die ganze Stadt Brescia, bietet auch das Museum im Kloster Einblicke in die verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte.

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