Bei Sternenchefs himmlisch Essen & Schlafen

Wie jeder weiß  geht Liebe (auch) durch den Magen. Doch Speise und Trank können viel mehr als nur der Funke sein der die Leidenschaft entfacht. Sie können zum Fundament einer Beziehung werden, zum gemeinsamen Lebensprojekt. Zu diesem Schluss kommt wenn man sich im Panorama der italienischen Sterne-Köche umsieht. Unter den vom roten Michelin-Restaurantführer geadelten Küchenchefs wächst die Anzahl jener, die sich nicht mehr nur mit einem Restaurant begnügen, sondern mit ihren Partner, bzw. mit ihrer Partnerin gemeinsame Sache machen und ihren Gästen in traumhaftschönen Plätzen auch gleich eine Unterkunft anbieten. Und so mehren sich von Nord- bis hinunter nach Süditalien, vom Piemont bis nach Sizilien die kleinen exklusiven Hotels, mit genauso exklusiver Küche. Man findet sie historischen Villen und Herrenhäusern, die zuvor liebevoll und fachkundig saniert und eingerichtet wurden. Die meisten sind heute auch Mitglieder des Verbands Relais & Châteaux.

© Villa Crespi

Zu den schönsten gehört die Villa Crespi am Lago d’Orta. Irgendwie passt der Spitzname „Aschenputtel“ zum Ortasee, einem kleinen, in der norditalienischen Region Piemont gelegenen See. Wie beim Märchen der Brüder Grimm wird auch ihm wenig Beachtung geschenkt. Normalerweise zieht es die Besucher zu dem weitaus berühmteren Lago Maggiore. Wer den Ortasee aber einmal erblickt hat, der wird ihn nie mehr vergessen. Dieser auf drei Seiten von Bergen umgebene See, erscheint einem wie ein Kleinod. Und hier am Ufer des Sees hat sich der Starkoch Antonino Cannavacciuolo mit seiner Frau Cinzia 1999 niedergelassen. Genauer gesagt in der Villa Crespi, einer Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Villa mit wunderschönem Garten und Blick auf den See. Das Paar hat die Villa sanieren lassen, und zwar in seinem ursprünglichen maurischen Stil. Heute ist Villa Crespi zum Inbegriff der italienischen Gastfreundschaft geworden. Wer will kann nämlich auch an der Gourmet Tour „Cena d’autore“ teilnehmen, bei der man nicht nur mit köstlichen Gerichten aus ganz Italien verwöhnt wird, sondern auch einen Einblick in Cannavacciuolos Kochkünsten bekommt. Vom Ortasee aus sollte man unbedingt noch eine Entdeckungstour in das noch sehr ursprüngliche Ossola Tal unternehmen.

200 Kilometer südlicher stößt man in Polesine Parmense, eine Ortschaft in der Nähe von Parma auf den Gutsbesitz Antica Corte Pallavicina. Hier ist MassimoSpigaroli zu Hause, der König des „Culatello“-Rohschinkens. Eigentlich ist ja die nahegelegene Ortschaft Zibello für seinen Culatello weltweit bekannt, dass Spigarolis Rohschinken aber trotzdem der Beste unter den Besten ist, hat einerseits mit der besonderen Schweinrasse zu tun die er züchtet, es handelt sich dabei um Schweine mit schwarzem Fell, und andererseits mit Prince Charles. Dieser hat einmal einen Spigaroli-Culatello geschenkt bekommen und seit dem lässt er sich ihn regelmäßig liefern. Auch in der Antica Corte Pallavicina steht der Gaumengenuss an erster Stelle, das Restaurant wird von den Michelin Juroren mit einem Stern ausgezeichnet. Spigaroli selber sieht sich aber als Chef besonderer Gattung und nennt sich „Chef Agricoltore“ Landwirt-Chef. Alles was in seiner Küche verwertet wird kommt aus eigenem Anbau, was auch heißt, dass bei ihm nur regionale Produkte und Gerichte aufgetischt werden. Und davon hat die Region ja zur Genüge: der Crudo di Parma, der Parma Rohschinken und der Parmigiano Reggiano Käse gehören zu den Vorzeigeschildern.

Das Burggehöft stammt aus dem Jahr 1320 und stand einst im Besitz der Gutsherren der Gegend, den Pallavicino, eines der ältesten und mächtigsten Adelsgeschlechter der Region. Auch hier wurde mit viel Fingerspitzengefühl saniert, um die ursprüngliche Bausubstanz, samt Keller wo die Culatelli hängen, zu erhalten. Die Zimmern bewahren einen rustikalen Hauch, ohne aber auf Komfort und einer gewissen „Eigenwilligkeit“ zu verzichten: Und so steht die Badewanne im Schlafzimmer. Für die Giuseppe Verdi Liebhaber eignet sich die Antica Corte bestens als Absteige. Von hier aus ist es nur ein Sprung nach Roncole di Busseto, dem Geburtsort des Maestro, sowie zur Villa Verdi inSant’Agata, in der er sich im Alter zurückgezogen hatte, und zum Teatro Regio in Parma, wo die alljährlichen Verdi Festspiele stattfinden.

© Il Falconiere

In Cortona, im Herzen der Toskana, nicht weit von Arezzo, hat wiederum Chefin Silvia Baracchi zusammen ihrem Mann Riccardo ihr Haus für die Gäste geöffnet. Die zur Familienvilla gehörenden „Limonaia“ wurde zu einem Restaurant und einer exklusiven Herberge, Il Falconiere genannt, umgebaut und 1989 eingeweiht. Fresken und antike Ausstattungen charakterisieren das Ambiente und die Zimmer. Baracchis Küche, die auch dieses Jahr vom Michelin-Restaurantführer mit einem Stern ausgezeichnet wurde, ist raffiniert bodenständig. Wer die Toskana und seine Küche liebt, der kann sie hier in einem faszinierenden Ambiente genießen und gleichzeitig eine der schönsten und beliebtesten Regionen Italiens erkunden.

© Il Falconiere

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